Wartungsfreie Brandschutzklappen


Die beste, aber nicht gleich für Jedermann verständliche Erklärung zum Thema Wartung liefert Wikipedia: Hier heißt es „Wartung…sind…Maßnahmen zur Verzögerung des Abbaus des vorhandenen Abnutzungsvorrates der Betrachtungseinheit… Wow, erstmal sacken lassen!


Nun die Übersetzung für den Normalsterblichen. Jedes Ding wird über die Zeit hinweg abgenutzt. Damit es lange hält und die Investition sich auch lohnt, sollte man ab und zu mal was tun…sowas wie der Ölwechsel beim Auto zum Beispiel, damit der Motor nicht zu Schrott wird.
Anlagen in der technischen Gebäudeausrüstung und speziell Anlagen zum Brandschutz unterliegen in ca. 95% aller Fälle einer Wartungspflicht. Schließlich sollen sie, im Fall eines Falles, eine Brand- und Rauchausbreitung verhindern und so den Menschen die Gelegenheit zu einer reibungslosen Flucht/Evakuieriung aus brennenden Gebäuden geben.

Manchmal –nein, eigentlich immer- ist es aber auf den Baustellen unseres Landes so, dass nichts in die vorgegebene Normen passt. Im Neubau will es der Architekt immer schön haben… wen kümmert da die Gebäudetechnik und deren Platzbedarf? Im Bestand muss man nehmen was da ist und daraus machen was geht, auch wenns nicht geht ;-).

Eine gute Erfindung für die brandschutztechnische Abtrennung von Lüftungsleitungen die durch feuerwiderstandsfähiger Bauteile verlaufen sind die wartungsfreien Toppschotts für Lüftungsanlagen die entsprechend DIN 18017-3 „Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster“ geplant werden. Dürfte einigen Lesern bekannt sein, besonders beliebt im kommunalen Wohnungsbau.
Wartungsfrei soll also in diesem Fall auch wartungsfrei heißen. Nämlich, man könnte die Dinger irgendwo in einem Schacht, einer Wand oder ähnlichem, wo niemals wieder ein Mensch rankommt, einbauen und das wars.
zum Beispiel das TS 18 von Wildeboer

Allerdings, wenn man die Teile irgendwo im Nirgendwo einbaut:
Sichtprüfung, ob die Funktion noch gegeben ist? Fehlanzeige?
Funktionsprobe, ob die Klappe den auch wirklich schließt? Fehlanzeige!
Reinigung bzw. feststellen des Verschmutzungsgrads? Fehlanzeige!

Man muss einfach darauf vertrauen, dass der Staub, der in jeder normalen Lüftungsanlage vorhanden ist, einfach einen Bogen um das Topschott macht.
Und tut er das? hmmmm….

Wartungsfreie Brandschutzklappen
Das Bild spricht glaub ich für sich.

 

Die Topschotts sind für den Einsatz in Lüftungssystemen, die Bäder und Toilettenräume entlüften, bestens geeignet. Das sagt der Hersteller, das wurde nach deutscher Art und weise gründlich geprüft und bestätigt und es spricht auch nichts dagegen. Aus eigener Erfahrung muss aber gesagt werden, in Bädern fällt zum Beispiel sehr viel Staub an. Weiß jede Hausfrau, die das Bad putzt. Diese Mischung aus Staub und Feuchtigkeit nach dem duschen z. B. wird also in den Lüftungskanal gezogen. Und bleibt wirklich nichts im Kanal und damit im Topschott haften…??? Ich persönlich bin da eher skeptisch, wie weiter oben zu sehen ist.

Laut Betriebsanleitung eines solchen Schottes Betriebsanleitung TS 18 können diese Schotts zum Beispiel auch zusammen mit dem ganzen Lüftungsleitungssystem desinfiziert werden, was durchaus mal Sinn machen kann. Und jetzt kommen wir eigentlich zum Kernproblem der ganzen Schottthematik.

Desinfizieren, reinigen, ja aber wie??? Denn…

Wenn ich etwas nicht warten muss, verfrachte ich es baulich meistens so in meine Anlagentechnik, das ich nicht mehr ran komme. Also zum Beispiel hinten in die letzte Ecke vom Schacht. Oder Leitungsführung abkoffern…Gipskarton drum und unsichtbar…ganz beliebt!
Alle anderen Leitungen also davor gesetzt (soweit sie inm gemeinsamen Schacht zulässig sind)und gut. Logisch, kann ja, denn Toppschotts sind wartungsfrei.
Jetzt muss aber dochmal desinfiziert oder gereinigt werden, weil ein Mieter feststellt, es „lüftet“ nicht mehr. Hmmm…und nun?
Der Begriff wartungsfrei wiegt den Fachplaner in falscher Sicherheit weil er denkt: „Wartungsfrei ist gut, da immer uneingeschränkt funktionsfähig und keine Folgekosten für Wartungsfirma, muss niemand je wieder ran und sich kümmern.“ Aber weit gefehlt!

Man ist gut beraten eine Lüftungsanlage nach DIN 18017-3, wenn man sie mit wartungsfreien Schottungen ausrüstet, auch mit Reinigungsöffnungen, am besten in der Nähe der Schotts zu versehen. Die Reinigungsöffnungen sollten aber schon zugänglich sein.
Somit kann zumindest durch eine Inspektion (Inspektion als Teilaufgabe der Wartung!) die Funktionssicherheit geprüft werden. Dem Betreiber einer solchen Anlage sollte man schriftlich ans Herz legen, doch bitte in regelmäßigen Abständen das Lüftungssystem auf Staubbelastung zu überprüfen. Notfalls verschenkt man bei der Anlagenübergabe eine Taschenlampe :-).
Ein Lüftungsrohrsystem mit notwendigen Brandschutzschottungen, auch wenn diese wartungsfrei sind gehört meiner Meinung nach nie in die hinterste Ecke einer Schachtbelegung und muss an mehreren Stellen leicht zugänglich sein. So wie bei anderen Lüftungsanlagen auch. Es sollte also niemals der Fehler gemacht werden, wartungsfrei mit verantwortungsfrei zu verwechseln. Wartungsfrei macht einen Fachplaner nicht verantwortungsfrei von der geschuldeten Funktionalität einer Anlage.

PS: Ganz wichtig: Vor Einbau einer fürwasauchimmer Brandschutzklappe grundsätzlich vorher das AbP oder die AbZ lesen, wie zum Beispiel diese hier 😉Z_41_3_556_TS18

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