Wenn DN 150 auf DN 100 trifft!

Oder … einfach mal den Verstand einschalten 😉
Waagerechtes Abwasserrohr DN 150 trifft auf Grundleitungsanschluss DN 100!

Geht das? Ich sage ja.


In Deutschland wird ja gern zuerst die Frage gestellt: Wo steht das? Nun, sagen wir mal in der DIN 1986-100, dem deutschen Ausläufer der DIN EN 12056.


Dort steht unter Absatz 6.1.8. das Reduzierungen von Abwasserleitungen in Fließrichtung unzulässig sind. Damit komme ich zur nächsten Frage: Ändert sich die Fließrichtung wenn die Leitung nicht mehr waagerecht sondern senkrecht verläuft? Auch hier sage ich ja, denn es wirken ganz andere physikalische Kräfte.
Die DIN 1986-100 in Verbindung mit der DIN 12056 betrachtet das Abflussvermögen von waagerechten und senkrechten Abwasserleitungen daher auch unterschiedlich, mit unterschiedlichen Berechnungs- und Bemessungsansätzen.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Eine waagerechte Abwasserleitung Dimension DN 150 mit einem Gefälle von 0,7 % hat einen Schmutzwasseranfall von ca. 5 l/s zu bewältigen. Das Gefälle ist auf Grund baulicher Gegebenheiten so gering angesetzt, was die Erhöhung der Leitungsdimension zwangsläufig zur Folge hat. Wir wollen ja, dass alles abfließt und der Unterspülungseffekt entsteht. Ganz zu schweigen von den Druckverhältnissen… Soweit so gut.
Die Abwasserleitung könnte also auch bei größerem Gefälle in DN 100 verlegt werden und die Abwassermenge passt tatsächlich noch durch die Leitung.
Um das Ganze der öffentlichen Kanalisation zuzuführen ist nur ein Grundleitungsanschluss DN 100 im Gebäude vorhanden. Die weiterführende Grundleitung ist mit 4%!!! (also so was von ausreichend für 5 l/s Schmutzwasseranfall) verlegt.
Um von der Decke nach unten in den Fußboden zu kommen ändert die Abwasserleitung also ihre Richtung und ist jetzt so etwas wie eine Fallleitung. In diese Fallleitung darf nach DIN 12056 für die Dimension DN 100 (vorausgesetzt es handelt sich um eine belüftete Hauptleitung, kleiner aber wichtiger Aspekt…der Kenner wird es wissen) eine Abwassermenge von max. 5,2 l/s geleitet werden.

Also 5 l/s aus DN 150 wollen in eine Leitung die max. 5,2 l/s aufnehmen kann…Passt doch, wo ist das Problem? Nun ja, vielleicht kann es an der Reduzierung von DN 150 auf DN 100 zu „Verstopfungen“ kommen. Daher ist es sicherlich ratsam, die Reduzierung erst im senkrechten Teil der Abwasserleitung zu setzen und wem das immer noch nicht ausreicht, der kann vor und nach der Reduzierung eine Reinigungsöffnung setzen. Eine ist sowieso Pflicht, nach DIN, für Fallleitungen.
Vielleicht hat auch der Facility Manager (altdeutsch Hausmeister) etwas Streß dadurch, aber rein von der funktionalen Betrachtung her gesehen dürfte das nicht zwangsläufig so sein.

In Deutschland klammert man sich allzu sehr und viel zu oft an die geltenden Normen ohne dabei mal den Verstand einzuschalten. Denn es gibt tatsächlich noch Situationen, die passen in keine der standardisierten Normen und dann sollte man einfach mal zurück auf Anfang gehen und über die im Studium gelernten Grundlagen Lösungen herbeiführen. Ist eigentlich gar nicht so schwer und nennt sich gesunder Menschenverstand. Lohnt sich, den mal auszuprobieren. Auch als Ingenieur. Wem das allerdings dann doch nicht reicht, der möge mir hier Gegenargumente bringen oder am besten einen Versuchsstand zur Simulation aufbauen. Es gibt auch super Berechnungsformeln dafür.


Die hier dargestellte Variante ist meine persönliche Meinung und basiert auf keiner wissenschaftlich fundierten Aussage. Es ist meine persönliche Interpretation einer DIN, resultierend aus dem ganz normalen Wahnsinn, der sich täglich auf unseren Baustellen abspielt.

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