Brandschutz trifft Architektur

„Alle an einen Tisch … miteinander reden!!!“


Und da beginnt regelmäßig das Problem bei der Planung.
Unterschiedliche Ansichtsweisen bei ein und derselben Aufgabenstellung.
Der Architekt möchte es schön, der Ingenieur funktional unter Einhaltung aller technischen und anerkannten Regeln der Technik.


Gut dran ist, wer als Ingenieur auf einen Architekten trifft, der auch Verständnis für die Technik hat. Schön und funktionell schließen einander nicht aus! Diese Erkenntnis musste ich mir auch erst erarbeiten.

Aufgabenstellung war die brandschutztechnische Sanierung einer großen Konzerthalle. Die Anlagentechnik in dem Gebäude – gewachsen, wie gebaut. Eine Herausforderung für jeden Brandschutzplaner. Neben dem in jeder Bauordnung verankerten Schutz des Lebens ( Personenschutz), kam hier auch noch der sogenannte Sachschutz zum tragen. Das hieß für alle Beteiligten mal nicht mal so schnell eine alles kompensierende BMA ( Brandmeldeanlage) eingebaut und fertig (Viele halten eine BMA für das allumfängliche Heilmittel bei Sanierungen, wenn sonst nichts mehr geht. Warum nur?) Nein, hier musste richtig gebäudetechnisch mit Sonderlosungen (Abweichungen jeglicher Art) geschottet werden und eine Sprinkleranlage her. Wer sich mit dem Thema auskennt weiß, dass beim Sachschutz der VdS (Verband der Sachversicherer) die Vorgaben macht. Also nicht mal schnell nach damals noch DIN 14489 (seit 2011 abgelöst durch die DIN EN 12845) geplant, sondern alle Vorgaben und Randbedingungen der VdS CEA 4001 umgesetzt und eingehalten.

Und nun trifft Schön auf Technik.

Das Herzstück der Konzerthalle ist der Konzertraum selbst. Saalhöhe ca.13 m. Ausgestattet mit einer abgehängten Holzakustikdecke. Die Decke an sich schon ein kleines Meisterwerk, bestehend aus einzelnen rechteckigen Prismen, welche im Schnitt aufgezeigt eine nicht ganz regelmäßige Zickzackline ergeben. diese Decke galt es nun mit Sprinklern „zu verschönern“. Ich kann seitdem verstehen, dass man ab und zu von den Kollegen Architekten am Bau als Fachplaner für die TgA milde gesagt als „notwendiges Übel“ gesehen wird. Müssen doch wie zum Beispiel in diesem Falle Löcher in die schöne Decke gebohrt werden, um Sprinkler durchzustecken. Neben der Sprinklerform müssen auch Sprühabstände und -radien, Abstand zur Decke, Abstand der Sprinkler untereinander, Vermeidung von Sprühschatten und -selbstkühlung, usw. beachtet werden. Bei diesen Anforderungen stößt man als Ingenieur bei solch einer Deckenkonstruktion schnell an die Grenze des Machbaren. Dank Mandala-Erfahrung … ja spielerisches lernen und umsetzen hieß das Motto … wurde das „Problem“ dann doch vorerst auch technisch einwandfrei gelöst. Technisch ja, aber nicht architektonisch, weil nicht schön aussehend von unten.

Und jetzt? …

Folgt erstmal der weniger schöne Schriftverkehr

(Danke nochmals an dieser Stelle an einen ehemaligen Kollegen, der mir gezeigt hat, dass man Ärger auch in Zuckerwatte packen kann 😉 .
Am Ende wurde umgeplant und gemeinsam schön und funktionell erschaffen.

Wie?

Ganz einfach! Alle an einen Tisch, Architekt, Fachplaner und VdS sowie Bauherr. Miteinander reden!!! Die Probleme auf den Tisch, ausdiskutiert, Vorschläge erarbeitet und einen guten Kompromiss gefunden. Übrigens, ein guter Kompromiss ist, wie auch ein gutes Geschäft, wenn am Ende alle Beteiligten etwas „Federn lassen“ müssen und doch zufrieden sind.
Die Lösung: ein paar Sprinkler mehr, ein paar Sprinkler weniger an der einen oder anderen Stelle, unterschiedlichen Sprinklerauslösekriterien, alles mit Zustimmung des VdS, die sichtbaren Sprinkler samt Rohr in Deckenfarbe lackiert, mit Zustimmung des Bauherrn, denn selbiger bezahlt das Ganze, und schon haben wir geschafft wofür andere Jahre brauchen werden.
!!!Die unsichtbare Sprinkleranlage!!! Kleiner Scherz.
Für manches braucht es nicht viel, nur ein wenig Toleranz den Interessen der anderen Planern gegenüber, eine aufgeschlossene Haltung zur Problemlösung und ein wenig Mut auch mal „dumme Fragen“ zu stellen oder einfach stur zu sein…..

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