Ausnahmen nach ENEV 2009

…weil jede Regel eine Ausnahme hat, die sie bestätigt! Ein kurzer Beitrag zum laaaangen Thema ENEV (Energieeinsparverordnung)


Die Energieeinsparverordnung v e r o r d n e t, wie der Name schon sagt, das Einsparen von Energie beim Neubau, Umbau, Anbau oder bei Sanierung von Gebäuden.


Somit ist sie eine MUSS-Bestimmung, keine KANN-Bestimmung. 

Manchmal kann jedoch aus einem MUSS auch ein KANN oder ganz und gar ein GEHTGARNICHT werden. Nämlich dann, wenn zum Beispiel die Investitionskosten für eine Energieeinsparmaßnahme überdurchschnittlich hoch sind und der energetische Nutzen eher zweifelhaft ist. Stichwort Wirtschaftlichkeit! Oder wenn durch energetische „Pflichteingriffe“ in behördliche Auflagen unrechtmäßig eingegriffen wird. Stichwort Denkmalschutz! Denkmäler sind meist von den Vorgaben der ENEV 2009 befreit, denn im Par. 24 heißt es dazu „Soweit….die Erfüllung der Anforderungen dieser Verordnung die Substanz oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen oder andere Maßnahmen zu einem unverhältnismäßig hohen Aufwand führen…“.

Viele Besitzer von z.B. Bestandsgebäuden möchten aus persönlicher Überzeugung, die oftmals durch den Blick in die eigene Brieftasche -Stichwort Nebenkostenabrechnung!- manifestiert ist, gern energetisch sanieren. Aber nicht alles geht und nicht alles ist sinnvoll. Und oftmals scheitert es dann an der Finanzierung und damit an der Wirtschaftlichkeit einer Maßnahme, wenn man alles richtig machen, alle Gesetzesregeln einhalten will.

Was ist vorgeschrieben?

Beispiel § 10 ENEV 2009 schreibt vor, Anlagen und Gebäude nachrüsten!

  • Nachträgliche Dämmung der heizungstechnischen Anlagenbauteile
  • Bis zum 31.12.2011 sollen zum Beispiel oberste Geschossdecken zu unbeheizten Räumen gedämmt werden
  • Einbau energieeffizienter Pumpentechnik
  • Nachrüstung selbsttätiger Regulierventile für die Wärmezufuhr
  • usw.

sagt der Gesetzgeber allgemein.

Da kommen schnell mal ein paar tausend Euro zusammen. Doch rechnet sich diese Maßnahme wirklich? Dies muss individuell auf Basis zertifizierter Berechnungsprogramme ermittelt werden und bei den Ergebnissen staunt unsereins nicht selten schlecht! ;).

Was kann man also tun?

Eine Ausnahme zu diesen Vorgaben ist geregelt in Absatz (6) des § 10 und die heißt Unwirtschaftlichkeit.
Das heißt, wenn die Investitionskosten für die energetische Sanierungsmaßnahme nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes durch Einsparungen erwirtschaftet werden können, ist die Maßnahme als unwirtschaftlich zu betrachten und daher nicht tragbar für den Finanzierer. (auch wenn sie manchmal sinnvoll wäre…aber die meisten von unserer Gattung sind nicht karitativ tätig)
Dies gilt übrigens nicht nur für oben genannte Beispielvorgaben aus dem § 10 der ENEV, sondern auch bei energetischer Sanierung einer Gebäudehülle. Wenn hier zum Beispiel bei einer geplanten nachträglichen Fassadendämmung noch Kosten für Dachkastenverlängerung, Anpassung von Fensterlaibung und Fensterborden, Abtragen alter Fassadenputzreste, usw. dazu kommen. Dann wird die Investition auch über die Maßen teuer und sollte kritisch unter Lupe genommen werden.
Zurück zum Thema Frist…

Was heißt angemessene Frist?

2 Jahre? 5 Jahre? 20 Jahre? Ab wann ist eine Investition wirtschaftlich?
Jedem Bauteil, sei es die Heizungsanlage oder die Fassadendämmung wird eine entsprechende „Lebensdauer“ zugeordnet. Man kann sagen, das Gros der baulichen Bestandteile hat eine durchschnittliche „Lebensdauer“/Betriebsdauer von 20 bis 30 Jahren. Auskunft gibt zum Beispiel der Leitfaden des Bundes zum Nachhaltigen Bauen unter der Rubrik BNB Nutzungsdauern von Bauteilen bzw. die VDI 2067.
Damit liegt zum Beispiel eine angemessene Frist für die Refinanzierung einer Investition von 5 bis zum Beispiel max. 15 Jahren durchaus im Bereich der Wirtschaftlichkeit. Hier können jedoch immer nur Einzelfallempfehlungen gegeben werden.

Die Frist kann jeder durch eine einfache Faustformel selber überschlägig ermitteln, um dann ein Gefühl dafür zu bekommen, ob sich die Investition denn nun lohnt oder nicht:

Frist(Amortisation) = Investitionskosten/Einsparung

Wichtig ist jedoch zu wissen:

das Umsetzen einer energetischen Sanierung zum Beispiel im Zuge einer Baumaßnahme mit der Option bestimmte Ausnahmen/Erleichterungen bei der Umsetzung zuzulassen, muss nachgewiesen und bei der Baubehörde beantragt werden. Denn generell gilt es zuerst einmal die Umsetzung der Vorgaben aus der ENEV einzuhalten. Es empfielt sich auf jeden Fall den Rat eines außenstehenden Experten einzuholen, denn eine Begründung zur Ausnahme wegen Unwirtschaftlichkeit bedarf auf jeden Fall einer gründlichen Analyse und einer nachvollziehbaren Begründung.

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